Mittelwellen-Soundarchiv, Folge 3

Die dritte Folge meiner Mittelwellen-Soundfiles wurde diese Woche veröffentlicht. Wie üblich habe ich sie wieder bei Archive.org hochgeladen, da dieser Dienst auf einfachem Weg dem geneigten Hörer alle gewünschten Audioformate anbieten kann. Außerdem dürfte das Internet Archive auf lange Sicht eine zuverlässige Verbreitungsplattform für freie Inhalte sein.

In den vergangenen Jahren wurden in Deutschland und dem Rest Europas viele Mittelwellensender abgeschaltet. Das Archiv enthält daher viele Aufnahmen von Senderstandorten, die nun nicht mehr gehört werden können, darunter die Sender des NDR, WDR sowie Lang- und Mittelwellensender des Deutschlandradios. Meistens verliefen die Abschaltungen sehr unspektakulär, doch die damit einhergehende Faszination, statt des gewohnten Programms nur noch Rauschen oder eine ganz andere Station zu vernehmen, macht diese Aufnahmen für mich und sicher auch andere trotzdem sehr wertvoll.

Ein Nebenschauplatz der vergangenen beiden Jahre waren für mich die mitunter interessanten Aktivitäten italienischer Kleinsender auf Mittelwelle, die vermutlich am Rande der Legalität ihre Programme ausstrahlen. Die meisten Stationen können in Deutschland eher nicht gehört werden, es gelang mir jedoch einige Signale aufzuzeichnen. Fast jeden Abend lässt sich z. B. auf 1350 kHz mit relativ starkem Signal die Station „I am Radio/ Europaradio Milano“ loggen. Dort laufen neben Endlos-Musikprogrammen und Ausstrahlungen des italienischen DX-Magazins „Studio DX“ auch schon mal inoffizielle Übernahmen der Sonderprogramme von „Radio Caroline North“, die auf der eigentlichen Frequenz 1368 sonst nur schlecht gehört werden können. Eine weitere Station ist Challenger Radio, die auf 1368 mit Ausstrahlungen des „Italian Radio Relay Service“ ebenfalls regelmäßig zu empfangen ist und im vergangenen Jahr auf 846 kHz einen weiteren Sender aktiviert hat. Man sendet damit also auf einer der ehemaligen RAI-Frequenzen.

Leider gelang mir diesmal kein brauchbarer Transatlantik-Empfang, sodass sich die Auswahl der Stationen überwiegend auf Europa beschränkt. Mit über 80 Soundfiles ist das Archiv dennoch umfangreicher als das vorangegangene Jahresarchiv.

Hier noch einige weitere Anspiel-Tipps:

  • 279 kHz Belarus Pershy Kanal (täglicher Sendeschluss): Durch die sehr leise Modulation des Senders tritt in dieser Aufnahme deutlich ein sogenannter Luxemburgeffekt zum Vorschein. Man hört deutlich das Jingle des polnischen Rundfunks unter dem Signal aus Weißrussland.
  • 828 kHz Radiogazeta Slovo (Russland/St. Petersburg): Russische Sender sind ja schon irgendwie speziell, aber Radiogazeta Slovo übertrifft sie alle. Eine Station, deren Sendungen den Anschein einer längst vergangenen Zeit aufkommen lassen, würde in der Programmansage nicht von E-Mail und Internet die Rede sein. Nach der Abschaltung des NDR-Senders Hannover kann diese Station mit teils starkem Signal gehört werden.
  • 1278 kHz France Bleu Elsass: Auch Frankreich hat zum Jahreswechsel 2015/2016 seinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf Mittelwelle abgeschaltet. Der Sender Schlettstadt übertrug bis zum Schluss Programme in Elsässer Mundart, die vermutlich nun nur noch im Internet gehört werden können. Hier ein etwas verrauschter Ausschnitt einer solchen Sendung.
  • 1440 kHz RTL Radio, Pausenzeichen und Sendebeginn: Ein Klassiker in voller Länge, denn auch „The great 208″ ist seit dem Jahreswechsel nicht mehr vernehmbar.
  • 1512 kHz Radio Nord Revival (Schweden/Kvarnberget): Radio Nord war eines der ersten kommerziellen Offshore-Radios, noch bevor Radio Caroline und Radio London sich anschickten den europäischen Rundfunk zu revolutionieren. Das Revival-Projekt lässt diese Zeiten aufleben und ist an ausgewählten Tagen über zahlreiche Kleinsender auf Mittel- und Kurzwelle zu hören.
  • 1566 kHz Wildmountain Radio (Schweiz/Wildberg): Der Empfang dieses Veranstaltungsradios im September 2015 war schwierig, da die Leistung des Senders nur 1 KW betrug und sich gegen das stärker einfallende Signal aus den Niederlanden durchsetzen musste.

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Mittelwellen-Airchecks 2013 – 2014

Ja, auch dieses Jahr hat mich die gute alte Mittelwelle so manche Nacht nicht ruhig schlafen lassen. Das Ergebnis ist nun hier online: Mediumwave Sound Archive 2013 – 2014

Dieses Jahr ist die Sammlung an Airchecks nicht ganz so umfangreich, jedoch nicht minder interessant. Mein Fokus lag in der letzten Herbst- und Wintersaison auf eher unüblichen Stationen wie etwa Interkontinental-Empfängen. Und so finden sich neben schwachen Lokalstationen aus Europa auch diverse Fernempfänge aus Kanada, den USA oder sogar Mexiko. Des Weiteren auch in dieser Kollektion wieder einige zumeist niederländische Piratensender und Hörbeispiele der noch immer sendenden Küstenfunkstellen im oberen Frequenzbereich der Mittelwelle.

Wie bereits im letzten Sommer versprochen, soll auch der Lextronix S350 Deluxe im diesjährigen Archiv Gehör finden. Während die meisten deutschen Stationen auch mit diesem Gerät eher bescheiden klingen, lässt sich das europäische Ausland durchaus hören, wie am Beispiel Italien und Großbritannien eindrucksvoll zu erkennen ist. Mein persönlicher Favorit ist die mitternächtliche Programmansage und anschließend die italienische Hymne der RAI auf 657 kHz.

Aber auch Abschaltungen gab es in diesem Jahr leider wieder: Im September ging der Sender Berlin-Britz vom Netz, seit Anfang Januar schweigt der kroatische Rundfunk auf 1134 kHz. Politisch bedeutsam wurde die Mittelwelle jedoch im Zuge des Ukraine-Konflikts, als man Anfang März noch einmal 3 eigentlich schon abgeschrieben geglaubte Großsender für das russische Nachrichtenprogramm Vesty FM in Betrieb nahm und auch der ukrainische Rundfunk trotz klammer Kassen 2 Frequenzen reaktivierte. Alles in allem wird die kommende Saison jedoch vermutlich ein Jahr der Abschaltungen einleuten, wenn in Deutschland die letzten noch verbliebenden Mittel- und Langwellensender stillgelegt werden. Des einen Leid, des Dxers Freud. Mein Empfänger wird bereit sein für neue Airchecks.

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Lextronix S350 Deluxe

Die neue Herbst- und Wintersaison in Sachen Rundfunkfernempfang steht ja quasi schon vor der Tür, also habe ich mich mal nach einem neuen „Spielzeug“ umgesehen. Vielleicht ein neuer Empfänger oder eine aktive Loop-Antenne? Da ich aber bereits einen recht guten Empfänger besitze und bessere Antennen in meiner Empfangssituation derzeit wenig Sinn machen, wurde es am Ende ein Ausflug in wahrhaft historische Radiozeiten.

Der Lextronix S350 Deluxe (auch bekannt als Grundig/Eton S350 Deluxe) ist nämlich alles andere als ein State-of-the-art-Empfänger. Es gibt keine digitale Frequenzabstimmung, DX-taugliche Filter oder andere Dinge, die man in heutigen Tagen von einem ordentlichen Weltempfänger erwarten würde. Alles ist rein analog, mit allen Nachteilen, aber auch einigen schwerwiegenden Vorteilen. Allein der Klang war es, weshalb ich dieses Gerät haben musste. Denn mag mein Sangean-Empfänger in Sachen Empfang auch deutlich die Nase vorn haben, der Klang lässt bei diesem Gerät doch manchmal sehr zu wünschen übrig. Anders jedoch beim S350: Stellt man den richtigen Sender ein, klingen Rundfunksignale auf Mittel- und Kurzwelle mitunter so gut, dass ungeübte Ohren sie fast schon für UKW-Signale halten könnten, sieht man mal vom Rauschen ab.

Hörbeispiel: China Radio International, englisches Programm

Da sage noch jemand, Kurzwelle ist nur unverständliches Kamelgetrampel. Ein solcher Klang lässt sich nur mit entsprechend breiten Filtern bewerkstelligen, was dann natürlich zu Lasten der Trennschärfe geht. Die Filter lassen sich jedoch auch auf eine schmalere Bandbreite umschalten. Aber nicht nur klangtechnisch hat der S350 einiges zu bieten, auch die Empfindlichkeit ist erstaunlich gut. Im UKW-Bereich kann das Gerät sogar mit meinem Sangean locker mithalten. Jedoch werde ich ihn überwiegend des guten Klangs wegen benutzen und die vermutlich letzten Jahre der noch in Deutschland sendenden Mittelwellen hin und wieder damit genießen. Die ein oder andere Aufnahme ist selbstverständlich versprochen, das nächste Saison-Archiv ist bereits auf meiner Festplatte eröffnet.

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Mittelwellen-Soundarchiv der Jahre 2011 bis 2013

Vor zwei Jahren habe ich damit begonnen, mich wieder etwas intensiver mit dem Rundfunk auf Lang- und Mittelwelle zu befassen. Reichlich spät, mag man meinen, wo doch immer mehr europäische Rundfunkanstalten ihre amplitudenmodulierten Sender stilllegen. Erst kürzlich schaltete in Deutschland der MDR seine drei noch verbliebenen Mittelwellensender ab, sodass auf dem Gebiet der ehemaligen DDR nun nur noch ein Sender aus Zehlendorf verblieben ist, der stundenweise das Programm der Stimme Russlands ausstrahlt. Wann das Deutschlandradio und die restlichen ARD-Anstalten folgen, ist wohl nur noch eine Frage von wenigen Jahren. Auch im restlichen Europa klingt die nahe Mittelwellenzukunft düster. So soll bis spätestens Ende 2014 die Luxemburger Mittelwelle auf 1440 kHz für immer verstummen, einer der historischsten Mittelwellensender überhaupt. Andere Länder sind schon längst aus dem Äther verschwunden, während wieder andere Länder sogar neue Sender in Betrieb nehmen. Erst im April wurde in Bulgarien die schon seit Jahren abgeschaltete Mittelwelle Vidin auf 576 kHz mit einem extra hierfür neu angelieferten Sender reaktiviert.

Wirtschaftlich gesehen ist in Ländern wie Deutschland der Betrieb von Lang- und Mittelwellensendern natürlich kaum noch zu rechtfertigen und es wird in neue, digitale Übertragungswege investiert. Doch während das Digitalzeitalter schon gefühlt ein Dutzend Techniken kommen und gehen sah, haben sich analoge Übertragungswege seit beinahe einem Jahrhundert kaum verändert. Fast möchte man meinen, die Abschaltung bewährter Techniken wegen zu hoher Kosten und schlechter Tonqualität sei nur ein Vorwand, um den Konsumenten durch die Einführung immer neuer Digitaltechniken alle 5 bis 10 Jahre zum Kauf neuer Geräte zu bewegen. Schließlich könnte man ja sonst mit Empfängern der ersten Stunde noch heute problemlos Radio hören.

Aber das ist etwas, womit sich Verschwörungstheoretiker sehr viel besser befassen können als ich, der ich natürlich längst ebenfalls im Digitalzeitalter angekommen bin und die analogen Wellen nur noch aus Spaß am Radiohobby einschalte. Zu behaupten, für mich würden diese Übertragungen noch einen ernsthaften Nutzen ergeben, wäre unsinnig. Dank massiv zunehmender elektrischer Störungen durch Schaltnetzteile, Powerline und anderen Ätherverschmutzern sind Lang- und Mittelwelle ohnehin kaum noch genießbar, sofern man nicht wie ich das Glück hat, etwas ländlicher zu wohnen. Dennoch werde ich mir dieser Übertragungswege stets bewusst sein, da ich trotz meines jungen Alters noch mit ihnen aufgewachsen bin. Gern erinnere ich mich an Autofahrten mit meinen Eltern zum Schulinternat, auf denen uns die Mittelwellen der DDR, des SFB und RIAS begleiteten. Als ich dann meinen ersten Weltempfänger bekam, wurde mein Interesse erst recht geweckt. Noch gut entsinne ich mich eines Ferienlagers, in dem ich einigen Mitschülern wohl ziemlich auf die Nerven gegangen bin, weil ich, statt mich an abendlichen Treffen zu beteiligen, lieber den DX-Report auf dem damaligen „Radio Ropa Info“ hören wollte. Auch war ich regelmäßiger Hörer des späteren „Radio Ropa 261″ und verfolgte gern die Übernahmen des finnischen Rundfunks oder der damals noch in deutscher Sprache sendenden BBC. Auch die Zeiten der letzten Mittelwellen-Euphorie habe ich genossen und führte oft ein Taschenradio mit mir, um Megaradio zu hören, das nur wenige Jahre später wieder eingestellt wurde.

Doch während ein Ohr traurig in die Vergangenheit zurücklauscht, freut sich das andere über ganz neue Hörabenteuer, welche die analogen Wellen nun bieten. Brauchte man früher zum Empfang weit entfernter oder schwacher Stationen eine gehobene Ausrüstung, ist dies dank der freieren Frequenzen jetzt schon mit relativ geringen Mitteln möglich. Britische Lokalstationen mit nur wenigen hundert Watt Sendeleistung sind ebenso empfangbar wie Sender aus dem nahen Osten, Indien oder sogar Südkorea und Taiwan. Natürlich haben solche Empfänge nichts mit wirklichem Radiohören zu tun und befriedigen nur das Herz des Senderjägers.

Nachdem ich mir 2011 bereits den Langwellenbereich vorgenommen hatte, um mit Airchecks eine Art Bandscan zu erstellen, wollte ich etwas Ähnliches auch auf der Mittelwelle versuchen. Was zunächst mit einer Dokumentation der noch sendenden deutschen Mittelwellen begann, entwickelte sich schon bald zu einem überraschend ergiebigen DX-Abenteuer. Das alles nur mit einem Sangean-Weltempfänger und einer kleinen Tecsun-Rahmenantenne innerhalb meines Hauses und nicht etwa im Zelt auf der grünen Wiese, wo es natürlich noch weitaus bessere Bedingungen gegeben hätte. Die Ausbeute an Mitschnitten einer einzigen Wintersaison überraschte mich deshalb sehr. Mehr als 200 Airchecks aus unzähligen Ländern in Europa, Afrika, Asien und sogar Amerika, die jetzt ins „Internet Archive“ hochgeladen wurden:

Link: http://www.archive.org/details/mwarchive2011- 2013

Das komplette Archiv kann als MP3, Ogg Vorbis oder sogar verlustfrei im Flac-Format heruntergeladen werden. Etwas detailiertere Infos zu den empfangenen Stationen gibt die Datei Playlist.txt, mit der sich bei Bedarf auch die heruntergeladenen Dateien entsprechend ihrer Reihenfolge taggen lassen. Ich wünsche viel Freude beim Hören ferner Länder und längst verstummter Signale!

Auf Archive.org finden sich übrigens noch weitere Sammlungen dieser Art. Stephen P. McGreevy, ein Dxer aus den USA, befasst sich in seinen manchmal recht abenteuerlich anmutenden Audiodokumentationen neben Mittelwellen-DX auch mit dem Empfang von Funkfeuern und anderen Nicht-Rundfunk-Signalen.
Ebenfalls einen Blick wert: Radioaufnahmen von SWLing.com mit vielen Kurzwellen-Airchecks.

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Ab sofort auch im Internet Archive

Für Audio-Nerds und um ein internationaleres Publikum anzusprechen, werde ich einige meiner Audiodateien aus dem Radioarchiv ab sofort auch bei Archive.org hochladen. Allerdings nur solche Dateien, die von internationalem Interesse sein könnten.
Den Anfang machen die Dateien des Langwellen-Bandscans: Detailseite bei archive.org. Alle Aufnahmen gibt es dort sogar als verlustfreie Version im Flac-Format. Soll ja tatsächlich Leute geben, die selbst schrabbelige LoFi-Aufnahmen in bestmöglicher Qualität haben wollen. :)

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Robbenreport: eFiction, Radioarchiv und freie Winde

Nein, dieses Blog endet nicht als reine Ablage für meine Sendungsnachlesen, denn auch andere Dinge gibt es hin und wieder zu berichten:

Bereits vor einigen Tagen habe ich die deutsche eFiction-Community in ihrer Form als Support- und Diskussionsforum geschlossen. Die Seite dient jetzt lediglich noch als Download-Möglichkeit für das aktuelle Sprachpaket sowie diverse deutsche Skins. Aktualisierungen am Sprachpaket wird es jedoch nicht mehr geben. Auch aus dem englischen eFiction-Forum habe ich mich als Supporter der deutschen Abteilung zurückgezogen. Wenn ich ein Softwareprojekt unterstütze, möchte ich auch qualifizierten Support liefern können, was mir mangels eigener eFiction-Homepage jedoch schon seit längerer Zeit nicht mehr möglich ist und in absehbarer Zeit auch nicht der Fall sein wird. Für meine literarischen Ergüsse, welcher Art auch immer, ist dieses Blog allemal gut genug. Daher ziehe ich mich aus diesem Projekt weitgehend zurück. Wer Interesse an der Domain efiction.de hat, kann sich jederzeit bei mir melden. Länger als ein weiteres Jahr (ab Mai 2012) werde ich sie jedoch nicht behalten.

In „Steffens Radioarchiv“ hingegen wird sich (hoffentlich) demnächst einiges tun. Ich war mehrere Jahre lang nicht mehr im Besitz eines Kassettenspielers, was sich mittlerweile zum Glück geändert hat. Beim Lauschen alter Tapes habe ich beschlossen, einen Großteil der Aufnahmen neu zu digitalisieren. Nicht nur, weil sie damals mangels Speicherplatz in unzureichender Tonqualität veröffentlicht wurden, sondern auch weil ich viele Aufnahmen nach der Übertragung in den Rechner noch mit Rauschentfernung und sonstigen Spielereien verschlimmbessert habe. Alle Aufnahmen werde ich daher in Zukunft weitgehend originalgetreu veröffentlichen, auch wenn der Rauschpegel bei einigen Mitschnitten sehr hoch ist. Mit Rauschfiltern und Equalizern tut man solchen Aufnahmen jedoch keinesfalls nur Gutes, oft klingen sie am Ende furchtbarer als auf der Kassette. Nun ja… Spielzeug will ausprobiert werden und „damals“ haben mich solche Dinge halt fasziniert. :)
Als Neuzugang und Beispiel einer solchen Aufnahme ist im Bereich Sendestarts ein ziemlich verrauschter Mitschnitt des Berliner Nachrichtenradios INFO101 hinzugekommen. (Am Rande: warum gibt mir Google beim Stichwort INFO101 als ersten Suchtreffer „wertvolle“ Tipps für die Bettgymnastik? Was ist nur aus den früher so nützlichen Recherchewerkzeugen geworden…)
Ich spiele auch immer noch mit dem Gedanken, dem Radioarchiv wieder eine eigene Projektseite zu widmen. WordPress ist trotz seiner mittlerweile vielfältigen CMS-Funktionen noch immer ein System, das eher auf Blogger ausgerichtet ist und weniger auf statische Inhaltsseiten. Im Backend ist die Administration solcher Seiten daher auch recht unbequem für mich und das Radioarchiv wirkt ein wenig halbherzig ins System hineingeschustert. Wenn ich die Aufnahmen neu digitalisiere, wird es also vielleicht auch wieder eine neue Homepage geben, was bei dem kunterbunten Sammelsurium aus Tabellen- und Listenseiten aus all den Jahren seit Bestehen des Archivs eigentlich längst mal überfällig ist.

Natürlich mache ich auch weiterhin selbst Radio und auch hier gibt es Neuigkeiten. Bereits seit Anfang April wird meine Sendung „Frei wie der Wind“ nun getrennt auf dem Rainbow-Stream und auf Slangradio ausgestrahlt. Für den Rainbow-Stream moderiere ich die Sendung live, bei Slangradio läuft sie weiterhin als Vorproduktion. Da der Rainbow- Stream ein Community-basiertes Webradio ist, also der Hörerkontakt schon während der Sendungen besteht, wirkt sich eine Vorproduktion eher negativ auf das Programm aus.

So viel für heute. Meine To-do-Liste ist also wieder gut gefüllt und wird in den nächsten zwanzig Jahren abgearbeitet. :)

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Audio: Archivbandscan der Langwelle

„Langwelle, das gibts noch?“
Diese oder ähnliche Antworten erhält man hierzulande, werden von UKW und Digitalradio verwöhnte Hörer mit den immer noch bestehenden Wurzeln des drahtlosen Hörfunks konfrontiert. Kein Wunder, gibt es doch mittlerweile abgesehen von Welt- und Reiseempfängern kaum noch Radiogeräte, die für den Empfang des Langwellenrundfunks ausgelegt sind. Da ist es erstaunlich, dass sich auf der Langwelle noch immer diverse nationale Hörfunkprogramme tummeln. In Deutschland ist das Deutschlandradio mit seinen zwei Programmen auf insgesamt drei Frequenzen vertreten und versorgt auch am Tag nahezu das gesamte Bundesgebiet. Auf der Mittelwelle, deren Empfang auch heute noch mit zahlreichen Radiogeräten möglich ist, besteht hingegen schon längst in vielen Bundesländern gar keine Empfangsmöglichkeit mehr für nationalen Hörfunk. Auch im Rest Europas, Nordafrikas und Teilen Asiens gibt es noch immer Langwellenrundfunk. Vereinzelt wird sogar noch der sogenannte Drahtfunk übertragen, wobei Langwellenfrequenzen zur Auskopplung der über Telefonnetze übertragenen Signale genutzt werden (z. B. in Italien, siehe Filodiffusione).

Wie ausgestorben ist die Langwelle also wirklich? Auf meiner Jagd nach Stationsmitschnitten bin ich dieser Frage mal nachgegangen und war erstaunt, dass man auf fast jeder Langwellenfrequenz auch heute noch mindestens eine Hörfunkstation empfangen kann. Natürlich nicht zu jeder Tageszeit und manche Stationen gehören auch eher zu den Exoten, dennoch ergibt sich eine für dieses begrenzte Rundfunkband große Anzahl empfangbarer Stationen. Das Ergebnis gibt es nachfolgend hörbar als zwanzigminütigen Zusammenschnitt meiner Archivaufnahmen.

Abspielen: Archivbandscan der Langwelle

Hier noch die Liste der empfangenen Sender. Wer es ausführlicher mag, kann für weitere Informationen z. B. den Euro-African Medium Wave Guide heranziehen.

Standort: nahe Wittstock/Dosse, Brandenburg
Empfänger: Sangean ATS 909W ohne zusätzliche Hilfsmittel

  • 153 kHz – Deutschlandfunk (Sender Donebach, Deutschland)
  • 153 kHz – Antena Satelor (Sender Brasov Bod, Rumänien)
  • 162 kHz – France Inter (Sender Allouis, Frankreich)
  • 171 kHz – Radio Rossii (Sender Bolshakovo, Russland/Kaleningrad)
  • 171 kHz – Golos Rossii (vermutlich Kavkaz Radio (Sender Tbilisskaya, Russland))
  • 171 kHz – Radio Méditerranée Int‘l (Sender Nador, Marokko)
  • 177 kHz – Deutschlandradio Kultur (Sender Zehlendorf, Deutschland)
  • 183 kHz – Europe 1 (Sender Felsberg (Saarlouis), Deutschland)
  • 189 kHz – Rikisútvarpid Rás 2 (Sender Gufuskálar, Island)
  • 198 kHz – BBC Radio 4 (England, verschiedene Standorte, hier vermutlich Droitwich)
  • 207 kHz – Deutschlandfunk (Sender Aholming, Deutschland)
  • 216 kHz – RMC Info (Sender Roumoules, Frankreich)
  • 225 kHz – Polskie Radio 1 (Sender Solec Kujawski, Polen)
  • 234 kHz – RTL (Sender Beidweiler, Luxemburg)
  • 243 kHz – DR Kalundborg (Sender Kalundborg, Dänemark)
  • 252 kHz – RTE Radio 1 (Sender Clarkstown, Irland)
  • 252 kHz – Alger Chaîne 1&3/Radio Alger International (Sender Tipaza, Algerien)
  • 261 kHz – Radio Rossii (Sender Taldom, Russland)
  • 261 kHz – Radio Horizont (Sender Vakarel, Bulgarien)
  • 270 kHz – Ceský Rozhlas 1 (Sender Topolná, Tschechien)
  • 279 kHz – Belaruskaye Radio 1 (Sender Sasnovy, Weißrussland)

Die einzelnen Stationsmitschnitte gibt es demnächst auch noch mal im Radioarchiv.

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