Ohrwurm 3: Kurzer Erfahrungsbericht mit der dritten Generation des Binaural-Mikrofons

Nachdem mir der Ohrwurm II viele Jahre schon gute Dienste geleistet hat und noch immer im Kabelwald meines Technikschranks bereit hängt, war ich neugierig auf dessen Nachfolger, den im letzten Jahr erschienenen Ohrwurm 3. Und meine Neugier sollte sich auszahlen. Der neue Ohrwurm 3 ist nicht nur anders, er ist auch deutlich besser als sein Vorgänger. Ein kurzer Erfahrungsbericht ohne professionellen Anspruch.

Nicht nur die Zahl im Namen hat eine andere Form und ist nun arabisch statt römisch, sondern auch der Ohrwurm selbst wurde neu geformt. Zwar trägt man ihn weiterhin mit einem Bügel über der Ohrmuschel, doch die Mikrofone sind durch die nach außen gerichteten Schaumstoff-Windschutze jetzt deutlich als solche zu erkennen und erwecken nicht mehr den Eindruck, als würde man Musik hören. Wer innerhalb einer Menschenmenge unauffällige Aufnahmen machen möchte, dürfte es jetzt natürlich etwas schwerer haben, wobei auch das bisherige Tragen vermeintlicher Ohrhörer meiner Erfahrung nach manchmal nicht nur auffällig gewesen ist, sondern vielleicht sogar als unhöflich empfunden wurde. Während ich einmal die Atmosphäre eines Weihnachtsmarktes einfing, ging jemand an mir vorüber und rief laut: „Ey, mach die Musike aues!“ :D Interessanterweise hat mich auf die neuen und meines Erachtens nach etwas auffälligeren Ohrwürmer bisher noch niemand angesprochen, was allerdings auch am generellen Wandel der Gesellschaft im Umgang mit Technik liegen könnte. Schließlich sind Smartphones, Internet und sonstige Gadgets mittlerweile selbst in den abgelegensten Kuhdörfern keine Technik von Außerirdischen mehr.

Auch der Haltebügel, mit welchem die Ohrwürmer über die Ohren geschoben werden, wurde neu gestaltet und besteht nun nicht mehr aus steifem Plastik, sondern aus flexiblem Gummi, sodass auch Menschen mit dickeren Ohrmuscheln keine Probleme mehr haben sollten. Beim Tragen kommt es bei den neuen Ohrwürmern jedoch zu einer etwas stärkeren Dämpfung der Umgebungsgeräusche, eine sichere Orientierung ist damit speziell für blinde Menschen jedoch noch immer möglich. Es ist trotzdem ratsam, die Mikrofone so weit wie möglich an den äußeren Rand der Ohrmuschel zu schieben, um so viel Schall wie möglich zwischen Mikrofongehäuse und Gehörgang hindurchzulassen. Wie es sich in Sachen Orientierung mit dem großen Bruder des Ohrwurm 3, dem Ohrwurm PRO Monitor verhält, habe ich allerdings nicht testen können. Beim PRO Monitor handelt es sich um einen geschlossenen Studiokopfhörer, an dessen Außenseiten die Ohrwurm-Mikrofonkapseln verbaut sind. Es ist also möglich, das vom Ohrwurm aufgefangene Signal direkt am Aufnahmegerät abzuhören, was trotz der hervorragenden Aufnahmequalität allerdings dem realen Hören unterlegen sein dürfte.

Aber zurück zum Ohrwurm 3: Des Weiteren hat dieser nämlich nicht nur ein dickeres Anschlusskabel bekommen, sondern wurde auch klangtechnisch deutlich überarbeitet. Während sein Vorgänger einen sehr gewöhnungsbedürftigen Frequenzgang aufwies, klingt die dritte Generation sehr viel ausgewogener und ist meinem persönlichen Empfinden nach sogar dem für semi-professionelle Binaural-Aufnahmen häufig verwendeten Soundman OKM überlegen. Natürlich spielt auch der eingesetzte Recorder eine nicht unerhebliche Rolle. Im direkten Vergleich Ohrwurm II und 3 an einem Olympus LS-3 war der Ohrwurm 3 deutlich rauschärmer als dessen Vorgänger. Man sollte jedoch sein Aufnahmegerät gut zu pegeln wissen. Nicht nur ist der Ohrwurm 3 um einiges empfindlicher und sollte generell sehr niedrig eingepegelt werden, auch der Frequenzbereich ist offenbar etwas umfangreicher geworden. Besonders in den tiefen Frequenzen empfiehlt sich je nach Recorder der Einsatz eines Lowcut-Filters, da es sonst selbst bei niedrigem Aufnahmepegel zu leichten Übersteuerungen kommen kann, wenn z. B. irgendwo eine Tür ins Schloss fällt oder bei einem Volksfest die Bässe aus der Anlage dröhnen. Das Klangbild hat sich hingegen nicht nennenswert verändert und ermöglicht immer noch eine sehr detailreiche Darstellung der Umgebung des Trägers. An einem Mai-Abend gelang mir von meinem Schlafzimmerfenster aus das Einfangen entfernt singender Nachtigallen ebenso gut wie das Aufnehmen der vorbeifahrenden Radfahrer bei der alljährlichen „Tour de Prignitz“. Positiv ist mir aufgefallen, dass Schluckgeräusche sich nicht mehr so deutlich in den Aufnahmen bemerkbar machen. Auch die Stimme des Mikrofonträgers klingt noch einmal angenehmer als beim Vorgänger.

Wie schon erwähnt bekommt man den Ohrwurm 3 nicht nur in der hier beschriebenen Ohrmikrofon-Variante, sondern auch als PRO Monitor, also mit integriertem Studiokopfhörer. Die darin verbauten Mikrofonkapseln sind laut Hersteller jedoch die gleichen wie im Ohrwurm 3. Ein Unterschied zwischen Modell A und B wie beim alten Ohrwurm gibt es nicht mehr. Das Modell B war seinerzeit speziell für ältere Sony-Kameras gedacht und für die meisten Nutzer wohl ohnehin nicht relevant. Betrieben wird der Ohrwurm ausschließlich durch die Stromzufuhr des Recorders, eine zusätzliche Batterie, wie sie bei vielen Videomikrofonen üblich ist, wird nicht benötigt. Des Weiteren gibt es auch für die dritte Generation einen optionalen Fellwindschutz, der ebenfalls verbessert wurde. Man trägt ihn nicht mehr als Bügel über dem Kopf, stattdessen werden die Windschutze am linken und rechten Mikrofon einfach mittels einer Druckknopf-Lasche befestigt und sind trotzdem sehr effektiv. Bei leichtem Wind reicht allerdings auch der fest verbaute Schaumstoffschutz völlig aus.

Preislich ist der dritte Ohrwurm deutlich teurer als der Vorgänger und beginnt bei etwa 140 Euro, doch diesen Preis sind die Mikrofone definitiv wert. Bestellen kann man sie wie üblich ausschließlich auf www.ohrwurmaudio.de, was dank Paypal eine Sache von wenigen Klicks ist. Dort finden sich auch jede menge Hörbeispiele beider Ohrwurm-Typen.

Es bleibt spannend, welche Entwicklungen Wolfgang Winnes Ideenschmiede in Zukunft noch bringen wird. Laut Webseite arbeitet man derzeit auch an anderen Mikrofontypen, so soll beispielsweise ein sogenanntes Lavaliermikrofon entstehen, also ein Ansteckmikrofon für Moderationen usw., oder ein Stereo-Trennkörpermikrofon, wobei es sich um eine Mischung aus Jecklin-Scheibe und Grenzflächenmikrofon handelt.

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Über Radiorobbe

Lichtloser Gelegenheitsblogger aus dem Norden Brandenburgs. Schreibt übers Radiomachen, Technik aller Art und gelegentlich seine persönlichen Meinungen.

4 Kommentare:

  1. Super interessant, habe bis jetzt noch nie etwas vom Ohrwurm gehört… danke für den Artikel :)

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